Comicsalon Erlangen 2018 – Ein Comic-Traum

Nach fast zwei Jahren Pause nutze ich den Comicsalon ganz unverfroren als Sprungbrett, um auch wieder mit meiner ungefragten Meinung zur neunten Kunst im Netz loszulegen. Aber reden wir nicht von mir, reden wir vom 18. Comicsalon!

Man kommt sich erst vor wie im falschen Film. Große Zelte ersetzen die liebgewonnene Kongresshalle. Zu dem Für und Wieder und was das im Endeffekt bedeutet durfte ich mich schon beim Comicgate-Magazin äußern. Kurzum: Das könnte man öfters machen.

Willkommen im neuen Comic-Paradies!

Der Anfang jeder Comicmesse läuft eigentlich gleich. Man steht keine 10 Sekunden am Akkreditierungstresen und schüttelt dann Till Felix die Hand. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Irgendwann muss ich mal den Peilsender suchen, den der mir verpasst haben muss…
Darauf folgt in der Regel erstmal das Wiedersehen mit den ganzen Gesichtern, die man im Lauf der Jahre kennen- und lieben gelernt hat. Wird dieser Beitrag nostalgisch? Aber sowas von! Objektivität könnt ihr heute erstmal nicht erwarten, kommt aber wieder rein.

Zwangskuscheln für Groß und Klein

Zugegeben, die Gänge in Halle A waren oft etwas beengt, erst recht am Samstag als der Besucherandrang seinen Höchststand erreichte. Für die Besucher ist dies nicht so neu. Schon in der Heinrich-Lades-Halle gab es immer wieder Engstellen und verwinkelte Gänge die bei diversen Signierstunden für regelmäßige Verstopfungen sorgte. Die Leidtragenden sind allerdings vor allem die Aussteller, die direkt neben diesen Engstellen sitzen. Nur selten schafft es ihre Auslage das Interesse der wartenden Besucher von der eigentlichen Signieraktion abzulenken; ein Phänomen das ebenfalls nicht neu aber immer noch bedauerlich ist.

Auch wenn die Schilder einen anderen Eindruck vermitteln, die Großen waren eng an eng mit den Kleinen.

Aber kommen wir endlich zu einem positiven Aspekt der gerne übersehen wird. Am Anfang habe ich mich darüber ausgelassen, wie schwach die Unterstützung der Großverlage für den Nachwuchs ist. Man konnte das auf den Comic-Events auch durch die räumliche Aufteilung sehr gut sehen. Carlsen, Ehapa und Panini stehen dominierend im Zentrum und haben dementsprechend nicht nur die größten Stände, sondern auch eine spürbare räumliche Abgrenzung zu den Independent- und Kleinverlegern. Für diese strikte Abgrenzung fehlte in den Zelten natürlich der Platz und so konnte man zwischen groß und klein eine räumliche Nähe erleben, die ich selbst so zuletzt wohl auf der Comic-Action 2010 erlebt habe. Die Chance die kleineren Verlage und Aussteller zu übersehen sinkt so signifikant und selbst Besucher die eigentlich nur die großen auf ihrer Wunschliste haben, haben so eine angenehm niedrige Hemmschwelle Wartezeiten mit einer Schmökertour bei den kleineren zu überbrücken.
Wie gesagt, der Aufbau ist noch nicht perfekt. Aber im Moment mehren sich die Stimmen, die auch für 2020 einen Zeltaufbau fordern. Wenn es wirklich dazu kommt, findet sich vielleicht auch ein Weg Halle A noch ein wenig zu vergrößern um breitere Wege zu schaffen. Wenn das gelingt, hat der Salon tatsächlich ein einfaches und praktibles Mittel, die Kluft zwischen Großen und Kleinen Verlagen ein wenig zu verringern. Und in der aktuellen Lage sollte man sich auch über solche kleinen Fortschritte freuen..

30 Jahre und kein Stück leise – Zwerchfell

Ninja Koala – Piet Mannhart (Autor) & Stefan Dinter (Zeichner)

Weiter unten komme ich noch mal auf die Rolle von Zwerchfell in der aktuellen Verlagslandschaft zu sprechen. Als Appetizer hier erstmal ein paar Eindrücke von der Ausstellung zum 30-jährigen Verlagsjubiläum. Eine kleine feine Ausstellung mitsamt passendem Begleitheft, welches den ruhigen aber immer wieder gerne rotzfrechen Humor des Hauses Z sehr gut einfängt. Die Ausstellung zeigt Originalskizzen neben den fertigen Druckversionen aus drei Jahrzehnten, wobei gerade die Frühzeit einen doch etwas zu kleinen Teil einnimmt. Hier wären noch mehr Exponate interessant gewesen. Vielleicht herrscht hier aber bei mir auch zu viel Subjektivität, da ich die letzten zehn Jahre quasi live verfolgen konnte und in dieser Zeit wiederum die noch recht frische Zeit ab den 00er-Jahren nachholen konnte.

Die Infotexte sind oft knapp gehalten, aber als Ausgleich steht dafür immer jemand vom Verlag parat und schildert nicht nur weiterführende Details, sondern kann auch entsprechende Anekdoten aus der Entstehungszeit mitteilen. So kann man schlicht aber sehr effektiv eine einfache Ausstellung deutlich aufwerten.

Moritz von Wolzogen’s Totality ist eine der neueren frischen Entdeckungen des Verlages.

Gerade in der heutigen Zeit, in der so ziemlich jeder kreative Prozess komplett digitalisiert werden kann, ist es immer wieder ein Augenöffner die Originalskizzen sehen zu können. In manchen Fällen sogar noch den Weg von der Vorskizze, über die Tuscheversion bis zur kolorierten Vordruckfassung und als Fazit dann das fertige Erzeugnis. Im Grunde macht diese Faszination fast jede der Ausstellungen auf dem Salon interessant, besonders schmackhaft wird es aber meiner Meinung nach, wenn wie hier mit begrenzten Mitteln aber dafür ohne strenge Auflagen der Inhalt der Ausstellung frei gestaltet werden kann. Vergleichend sieht man in der Doppelausstellung zu Jeff Lemire und Flix zwar auch viele Rohzeichnungen neben den fertigen Printversionen, aber der Weg ist oft ein kürzerer und man spürt eben das Korsett der sorgfältig lektorierten Ausstellung. Ganz anders eben ein Verlag wie Zwerchfell der sich auch mit dreißig immer noch eine jugendliche Freiheit bewahrt hat, die sich für keinen Spaß rund um das Medium Comic zu schade ist.

 

Die Crux mit der Nachwuchspflege

Marius Pawlitza und Haiko Hörnig geben eine Kostprobe aus ihrem Comic A House Divided

Seit fast einem Jahrzehnt beobachte ich jetzt die (Web-)Comic-Indie-Nachwuchsszene und es ist auf viele Arten und Weisen anrührend, wie man die Veränderungen beobachten kann. Ideen für Comicprojekte entstehen, man sieht hier und da erste Entwürfe, kann im Idealfall über die sozialen Kanäle die Entwicklung mitbekommen und nach gut vier Jahren hält man einen schweren dicken Comicband in der Hand, als würde man das Neugeborene von guten Freunden in den Händen halten. So geschehen mit Massu – Schmiedstochter von Ines Korth, den ich hier exemplarisch anführe für diverse interessante Projekte aus den letzten Jahren. Ich werde zu Massu und einigen anderen Comicneuerscheinungen demnächst noch was von mir geben.
Neben den schönen Entwicklungen sieht man aber auch die Schattenseiten. Noch immer mangelt es an Unterstützung durch die großen Verlage. Veröffentlichungen wie Endzeit von Olivia Vieweg und A House Divided (Annelie Wagner, Marius Pawlitza und Haiko Hörnig) bei Carlsen sind Tropfen auf dem heißen Stein und selbst da bleibt die Frage, wie stark die praktische Unterstützung wirklich war. Eine ganze Generation Comiczeichner, die nicht in etablierte Formen passen (wobei sich die Frage anschließt, wie denn deutsche Comics auszusehen haben… ich hab da grad nur Wüste im Kopf) ist mit ihren Ideen und Figuren inzwischen groß geworden, viele haben inzwischen eine Professionalität erreicht, die sich nicht verstecken muss. Nur gibt man ihnen zu wenig Projekte. Die Verlage scheinen immer noch zu wenig Mut zu neuen Gesichtern und Konzepten zu haben und die Hauptausrede bleibt der kleine deutsche Lesermarkt. Dann soll man eben direkt ins englische gehen und versuchen zumindest europaweit zu vertreiben – etwas, das für die großen Verlage machbar wäre. Klar fühlt man sich als spanischer, französischer und italienischer Comicfan vor den Kopf gestoßen, wenn man nur englische Fassungen bekommt, aber es wäre ein längst nötiger Anfang!

Der Nachwuchs in Halle C konnte sich über einen guten Andrang freuen.

Wie lange will man noch warten? Verlage wie Schwarzer Turm und Tokyopop zeigen wie es geht, während beispielsweise Kwimbi und Buddelfisch gleich dahinter in den Startlöchern stehen, überragt vom erfahrenen Querkopf Zwerchfell, oben habe ich ja schon über deren Ausstellung geschrieben.
Wollen wir Wetten abschließen wer davon zuerst genug erfahrene Köpfe versammelt, um das zu werden, was vor Jahrzehnten in den USA DarkHorse Comics war? Ein Independent-Verlag mit genug Professionalität, um frische Ideen in den starren Markt zu spülen.
Halten wir fest: die Nachwuchstalente sind mehr als erwachsen und werden die nächste und übernächste Generation, die ebenfalls schon vertreten ist, inspirieren, sich nicht mehr auf die großen Verlage zu verlassen. Crowdfinanzierungen und die Macht der sozialen Medien sind schwierige aber potenziell starke Werkzeuge, die hoffentlich helfen werden in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren einen großen Regenerationsprozess anzustoßen.

Lukas Wilde war nur einer von vielen Vertretern der Comic Solidarity, der sich voller Elan in die Moderation warf.

Das war jetzt ein ziemlicher Bogen, aber das musste unbedingt mal raus. Jetzt aber zurück zum Salon.
Der erste Tag galt traditionell erstmal vielen Begrüßungen und einer ersten vorsichtigen Sichtung was es alles an interessanten Ausstellern gibt. Neben der angenehmen räumlichen Nähe zwischen kleinen, mittleren und großen Verlagen war besonders die Halle C mit ihren Einzelkünstlern, den Hochschulen und Universitäten und dem von der Comic Solidarity bespielten hinteren Drittel interessant. Einzelkünstler und der Nachwuchs von den Schulen ist sonst immer etwas, das irgendwo oben zwischen den Ausstellungen steht und, zumindest von mir, viel zu oft dadurch sträflich vernachlässigt wurde. Hier zeigt sich das Zeltarrangement von seiner besten Seite und der am Donnerstag gewonnene Eindruck, dass die Lage im Schlosspark zusammen mit dem vollen Programmplan der Comic Solidarity für eine ordentliche Zugkraft sorgt, wird sich über die kommenden Tage tatsächlich bestätigen.


Standverteilung – Abzüge in der B-Note

Das wichtigste habe ich ja wie oben schon erwähnt bei Comicgate geschrieben. Auf zwei Schattenseiten will ich doch noch mal gesondert eingehen. Die erste erlebe ich direkt, indem ich erst am zweiten Tag den kleinen Ableger von Halle C im Durchgang zum Schloßpark entdecke. In angenehm kühlen Räumlichkeiten hat man hier noch eine ganze Riege interessanter Nachwuchskünstler mit einem Schwerpunkt auf mangaartige Stilrichtungen untergebracht. Auch der Max-und-Moritz-Preisträger NiGuNeGu ist hier zu finden. Die Durchgangshalle selbst ist ein guter Standort, wenn auch ein wenig zu dunkel. Grob fahrlässig ist aber die Übersehbarkeit der Position. Direkt vor dem Eingang der Durchgangshalle stolpert man über den kleinen Notausgang von Halle A. Hätte man hier genau wie in Halle C auch einen großen Ausgangsbereich eingerichtet, wären viel mehr Besucher auf diesen Nebenschauplatz aufmerksam geworden. Vermutlich war das aber auch wegen der Eintrittskontrolle ein Problem. Dennoch ist die verwendete Lösung sehr unglücklich gewählt worden.

Übersieht man schnell – Die Aussteller im Durchgang zum Schlosspark

Dann gibt es noch Halle B, eine Mischung aus Händlern, weiteren manga-orientierten Künstlern und passend dazu ein paar asiatische Aussteller. Für sich eigentlich eine ordentliche und homogene Mischung. Blöderweise zieht nichts davon genug Besucher an um die auf dem Hugenottenplatz etwas abseits gelegene Halle zu finden. Halle C hat den paradiesischen Schlosspark und eine vor Energie strotzende Comic-Solidarity. Etwas vergleichbares fehlte hier. Man hätte vielleicht auf dem Hugenottenplatz noch eine Open-Air-Ausstellung platzieren können, oder man hätte mehr Programmpunkte rund um Halle B platzieren sollen.
Während man die Übersehbarkeit beim Ableger von Halle C in der Planung vielleicht nicht hätte bemerken können, muss Halle B ein absehbares Problem gewesen sein.


Und zum Schluß die Preise

Oliver Mielke von NiGuNeGo mit ihrem Max-und-Moritz-Preis in der Kategorie Publikumspreis

Ganz kurz ein paar Worte (oder auch ein paar mehr…) zu der Sache mit den Preisen. Wer an den Details zu der Sache mit dem ICOM interessiert ist, sollte den Kommentar des betroffenen Ex-Jury-Mitglieds Eve Jay lesen. Einen kurzen Kommentar habe ich schon bei Comicgate geschrieben (ganz unten).
Da der ICOM sich bisher mit öffentlichen Äußerungen zu dem Thema zurückhält, möchte ich mich bei dem Thema dem Ratschlag diverser anderer anschließen: Erstmal abwarten bis sich alle ausgesprochen haben und es dann Statements von beiden bzw. allen beteiligten Parteien gibt.

Statt dessen ein paar generelle Gedanken zu Preisen im Comic-Bereich. Ich bin dieses Jahr bewußt zu keiner der beiden Preisverleihungen gegangen. Nicht weil ich sie schlecht finde, sondern weil ich in den letzten Jahren schon mehrfach dabei war und mir diesmal etwas vom anderen Programm ansehen wollte. Denn wie gehabt gibt es viel zu viele Überschneidungen, so dass man sich immer wieder für das eine und gegen das andere entscheiden muss.

Preise sind immer subjektiv

Das beginnt mit der Auswahl der Jury, geht über die Auswahl der zu berücksichtigenden Comics bis hin zu den auszuzeichnenden Kategorien. Man schaue sich nur die jährlichen Debatten zur Oscar-Verleihung an. Und im Comic-Bereich kommt es erschwerend hinzu, dass niemand in der Regel dafür bezahlt wird die Jury-Arbeit zu machen. Selbst Redakteure, die über Comics schreiben und dafür bezahlt werden sind eher die Ausnahme. Die meisten in der Szene sind Fans und Freunde des Mediums die es aus verschiedensten Gründen tun, mich eingeschlossen. Damit möchte ich aber nicht die Arbeit eben jener Redakteure schmälern, die wirklich bezahlt werden. Kurzum, eine nüchterne Objektivität scheitert schon an mangelndem Zeit und Geld in der Szene.

Es gibt nie genug Preise

Würde man mir die Pistole auf die Brust setzen, damit ich den Comic mit der besten Kolorierung benenne… tja dann wär’s das hier morgen gewesen. Ich hätte extreme Mühe mich in diesem Beispiel zwischen Ines Korth auf der einen, die nicht nur ihren eigenen Massu-Comic zeichnet und koloriert, sondern auch beispielsweise für Olivia Vieweg und Sarah Burrini bei den Farben hilft, und TeMeL auf der anderen Seite zu entscheiden. Letztere koloriert zwar meines Wissens bisher nur ihre eigenen Comics, dennoch gehört sie zum interessantesten, was ich beim Thema Farbe im deutschen Independentbereich kenne. Was ist nun besser? Ines Korth weil sie aktueller ist? TeMeL weil man ihr den Elan und die Impulsivität anmerkt? Weil die eine online zu lesen ist, die andere nicht bzw. nur eingeschränkt?
Solche Probleme tauchen bei Preisdiskussionen immer wieder auf und es ist Teil der Juryarbeit, sich für einen und gegen den anderen zu entscheiden. Manchmal findet man einen Kompromiss indem man z.B. eine lobende Erwähnung vergibt oder den Zweitplatzierten zum Sieger in einer ähnlichen Kategorie macht. In letzterem Fall ist aber wieder die Frage fällig, ob man damit nicht eben diese andere Kategorie verwässert.

Kann es überhaupt Fairness geben?

Die oben genannten Faktoren sind nur wenige. In der Praxis kommen noch diverse weitere Aspekte mit ins Spiel, die das Ergebnis einer Preisverleihung immer weiter von rationellen und qualitativen Gründen entfernen. Und jeder einzelne davon hat für sich das Potenzial unter ungünstigen Bedingungen den ganzen Preis zur Diskussion zu stellen. Dazu kommen diverse kleinere Probleme, wie nicht informierte Preisträger, Pannen bei der Verleihung, Schreibfehler auf Medailien. Allein die gelegentlich auftretenden technischen Tonprobleme lassen den Medientechniker in mir immer wieder mal weinen, ohne dass ich den Beteiligten daraus einen echten Vorwurf mache. All diese Dinge sind tatsächlich Kleinigkeiten, neigen aber immer wieder dazu in Summe aufzutreten und Zweifel an der Professionalität der Veranstaltung zu wecken. Wie soll man damit umgehen? Sollten wir es dann nicht eher wie der Joker halten und die Preise als willkürliche Zufallsergebnisse betrachten?
Das würde weder der Arbeit der Jury noch den ausgezeichneten Comics gerecht werden. Versuchen wir es also statt Vogel-Strauss-Taktik mit ein paar konstruktiven Vorschlägen.

Wie wärs denn mal mit…

Wenn wir einsehen könnten, dass emotionales Gut sich nicht auf rein rationale Maßstäbe runterbrechen lässt, wäre allen wohl am besten gedient. Das bedeutet aber auch, dass die Preise bzw. ihre Ausrichter den Selbstanspruch, den sie haben nochmal prüfen und ggf. nach unten korrigieren sollten. Was nützt ein Max-und-Moritz-Preis, der Außenstehenden als höchster Preis der deutschen Comicszene verkauft wird, während die Szene selbst ihn nur noch als Hauspreis der Großverlage betrachtet? Was nützt ein Preis mit Independent im Namen, wenn immer mehr Äußerungen und das Verhalten der Verantwortlichen Wertschätzung für Independent missen lassen?
Schaut man sich die Riege der Preise an, fällt auf, dass besonders der inzwischen eingestellte Lebensfenster-Preis für graphisches bloggen als auch der goldene Gartenzwerg vom Comicgarten Leipzig bisher ein relativ unbeschadetes Renome haben. Zwei Preise die sich immer gegen irgendwelche Standesdünkel gestellt und stattdessen mit einer guten Prise Humor präsentiert haben. Auch hier gab es kleinere Probleme, die man aber viel eher akzeptieren konnte, da der ganze Preis in sich schon heimeliges Hinterzimmer-Flair ausstrahlt. Preise von Fans für eine kleine Szene, ohne einen feuilletonistischen Anspruch und mit einem zurückhaltenden aber gut gelaunten Auftreten. Dem gegenüber stehen mit dem Max-und-Moritz-Preis, dem Peng! und dem ICOM Independent Comic Preis Institutionen, die sich eher dem konservativen Preiskonzept verordnet haben und dementsprechend auch ein gewichtigeres Auftreten an den Tag legen. Das ist für das Medium Comic an sich gar nicht verkehrt. Man braucht Repräsentanten die auch außerhalb der Szene Bekanntheit erlangen können. Aber Bekanntheit und vor allem Reputation sollte man sich besser erarbeiten, anstatt sie einzufordern.
Ebenso geht es um die persönliche Identifikation der Urheber. Natürlich ist es bemerkenswert wenn man einen Preis vergibt, der in der Szene beachtet wird. Aber solange der Preis nicht bewußt an den Urheber gebunden ist, sollte man sich um eine angemessene Distanz und Professionalität wahren. Wenn ich einen goldenen Lachwitz vergeben würde, könnte ich damit Subjektivität verkaufen, da ja auch mein Name darauf steht. Würde ich eine Preis für den lesenswertesten Indie-Comic vergeben, müsste ich jede Vergabe vor genau diesem Titel bzw. dem damit verbundenen Credo rechtfertigen können.
Das kann schwer fallen, aber so viel Professionalität sollte man erwarten dürfen. Generell sind Demut, Rücksicht und Respekt auch für eine Jury nicht die schlechtesten Nebenaspekte. Jeder kann mal Fehler machen. Man wird dafür meistens gar nicht so stark verurteilt, wie für das Verhalten wenn man sich weigert sich mit dem Fehler auseinanderzusetzen und ggf. sogar eine Entschuldigung auszusprechen. Man sieht dies immer wieder besonders in der Politik, wo eine Entschuldigung oder eine Rücknahme einer Aussage inzwischen derart selten sind, dass auch dieses Verhalten sicher einen Teil zur Politikverdrossenheit beiträgt. Uneinsichtigkeit signalisiert oft Desinteresse. Etwas das gerade für die Verantwortlichen eines Preises ungemein wichtig ist, wollen sie eine gewisse Relevanz für sich in Anspruch nehmen.
Kurzum: durchatmen, nicht persönlich werden und manchmal vielleicht erstmal etwas runtertakten. Wenn das jetzige Verhalten weitergeht, werden die leidigen Clickbaitstrategien aus dem Onlinemarketing bald auch hier Einzug halten. Dann gibt es Preise nur noch nach Skandalwert. Brauchen wir das ernsthaft?

Nächstes mal hoffentlich wieder in Zelten

Hinter uns liegt ein Comicsalon der sich zweifellos einen Platz in der Geschichte der deutschsprachigen Comicfestivals gesichert hat. Es waren vier wundervolle Tage, die einem die Liebe zum Comic so schön wie fast nur möglich gemacht haben und von denen man sich viel mehr wünscht.
Mein persönlicher Dank gilt den Organisatoren und Helfern, die einen bemerkenswerten Job gemacht haben, all den Zeichnern und Machern sowie Verlegern, die diese tatkräftig unterstützen und nicht zuletzt allen die da noch irgendwie zwischen hingen und mitgeholfen haben. Ihr seid ein Segen für die Comic-Szene!

Eine Foto-Gallerie mit diversen weiteren Eindrücken findet ihr auf der Facebook-Seite.


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