How to read Webcomics #01

Der neueste Trend: Mobilewebcomicwakeupreading

Der neueste Trend: Mobilewebcomicwakeupreading

Wie liest man in Zeiten sozialer Netzwerke und unzähliger Mobilgeräte eigentlich Webcomics? Überall und jederzeit, oder nicht?

Vor kurzem erwischte ich mich wieder einmal dabei, über das Handy die letzten Comic-News abzugrasen; es war wohl nach dem Aufwachen. Ich muss mich outen zu jenen zu gehören, deren erster Griff morgens dem Handy gilt. Das kurze News-Update (oder der helle Handy-Bildschirm) helfen nunmal beim Wachwerden.
Sei es wie es sei; beim Stöbern in den neuesten Comics war eine gewisse Leere zu spüren. Die Strips entfalteten nicht mehr ihr volles Aroma und das lag nicht allein daran, dass ich sie nur auf einem Handy-Bildschirm betrachtete. Verstärkt wurde dieser Eindruck, als ich mir einige Zeit später bewusst Zeit nahm, um nochmal auf ganz altmodische Art und Weise die Webseiten diverser Webcomics zu besuchen. Es dauerte keine Minute, und schon war das volle Aroma wieder da, um bei dem platten Vergleich zu bleiben.

Nach einem kurzen Austausch mit ein paar Webcomiclern bestätigte sich mein gefühlter Eindruck: Die Verteilung über soziale Medien und Mobilgeräte hilft zwar die Comics selbst weiter zu verbreiten, gleichzeitig geht aber das Feedback immer stärker zurück und es wird auch schwerer zu verfolgen wie viele Leser man überhaupt hat. Es geht voran, aber man weiß nicht genau wohin. Eine Reise ins Ungewisse.

Über die Monate habe ich mich immer wieder mit dem Thema beschäftigt und vor allem festgestellt wie umfangreich die Menge der beteiligten Aspekte und möglicher Lösungsaspekte ist. An jeder Ecke stößt man auf neue Möglichkeiten die sich erneut in diverse Richtungen verzweigen, dazu aber unten mehr. Es gibt nicht die Eine Lösung, so viel ist mir in der Zeit klargeworden.
Daher möchte ich an dieser Stelle eine lose Artikelreihe eröffnen, die sich mit den verschiedenen Aspekten dieser Thematik befasst.

Fangen wir an die Grundproblematik zu umreißen.
Der Schaffensprozess sieht normalerweise in etwa wie folgt aus. Der oder die Zeichner hat eine Idee und fängt an sie zeichnerisch umzusetzen. Schon in diesem Stadium fließen womöglich erste Reaktionen über die sozialen Kanäle herein und beeinflussen den Schaffensprozess. Der fertige Strip wird auf der Webseite veröffentlicht und Links zum Comic (oft aber nicht immer mit einer Einbettung des Comicstrips) über diverse soziale Kanäle verteilt.
Der Comicstrip wird gelesen und Likes, Herzen sowie Kommentare prasseln auf den Urheber ein. Was früher alles direkt auf der Webseite landetet, verteilt sich aber nun auf mehrere Plattformen die für Seitenbetreiber zudem nicht immer transparente Werkzeuge anbieten um dieses Feedback und die Verteilung der Beiträge zu verfolgen. Facebook, wir schauen in deine Ecke…
Anstatt einer zusammenhängenden Masse an Reaktionen verteilt sich diese Menge auf kleinere Teile die jeder für sich natürlich längst nicht so befriedigend sind wie die große zusammengerechnete Masse. Es mag lächerlich erscheinen wenn ich hier von Befriedigung schreibe, aber jeder der etwas erschafft, freut sich über Feedback und zieht daraus Energie für neue Projekte. Jetzt könnte man darüber diskutieren ob drei kleine Feedbackhaufen nicht genau so zufriedenstellend sind wie ein großer gesammelter, aber der Eindruck den ich von verschiedenen Zeichnern erhalte und auch aus ihren Postings herauslese, spricht dafür dass die Aufteilung dem gefühlten Feedback eher abträglich ist.
Damit sind wir schon beim nächsten Bereich. Nach jedem Strip geht sofort die Arbeit am nächsten los, oft sogar schon bevor der erste fertig ist. Sei es weil sich Ideen ansammeln die in den aktuellen nicht hineinpassen, oder weil der Strip auf bestimmten Leserfeedback aufbaut und man sich schon auf das neuerliche Feedback vorbereitet oder oder oder.

Von hier aus setzt sich diese Spirale endlos fort, wobei die Gewichtung auf den einzelnen Aspekten natürlich von Zeichner zu Zeichner unterschiedlich ist.

Für den Leser stellt sich das Problem dar, wie man gerade bei vielen zu lesenden Webcomics am besten auf dem laufenden bleiben kann. Bei einer überschaubaren Zahl an Zeichnern kommt man unter Umständen noch dazu die Webseite am jeweiligen Veröffentlichungstag zu besuchen, aber schnell rückt man rüber in die Bequemlichkeit der Timelineupdates via Facebook, Twitter & Co. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt lediglich die Postings dort zu lesen. Ist der Mensch so ein Faultier? An dieser Stelle nur der Verweis auf Mark Zuckerberg der ziemlich offen bekundet, dass sein Ziel lautet, die Leute möglichst lange auf Facebook zu halten, siehe dazu auch die, zumindest vorerst, gescheiterten Pläne ein Facebook-basiertes Gratis-Internet in ganz Indien zu etablieren. Man sieht, wir geraten hier sehr schnell in Grundsatzthemen zur Internetnutzung.

Wir sehen also drei Faktoren die den Raum von der Entstehung bis zum Konsum des Comics definieren. Als erstes natürlich den Zeichner, dann den Leser und als letztes die sozialen Kanäle. Denn selbst wenn man Facebook und Twitter ignoriert (was faktisch kaum ein Nachwuchszeichner sich erlauben kann), die Grundproblematik bleibt bestehen, da die sozialen Kanäle klassische Verbreitungsmethoden wie Blogrolls und Verlinkungen über Blogs immer mehr ins Abseits drängen. Dennoch sollen diese klassischen Methoden, ebenso wie Comicspezifische Plattformen wie Tapastic in dieser Artikelreihe ebenfalls beleuchtet werden.

Das einzige was sich nach dieser ersten Übersicht festhalten lässt ist, dass es für Leser wie Zeichner nur von Vorteil ist, wenn erstere sich doch immer wieder mal die Zeit nehmen die Comics auf der Homepage selbst zu lesen, und sei es nur um aus dem Social-Media-Strom einmal auszubrechen.

Zuletzt natürlich die Frage an die Leser hier: Wie sieht es bei euch aus? Nutzt ihr RSS, Twitter, Facebook, sonstige Apps für die Comics oder geht ihr gar den ganz traditionellen Weg und besucht die Webseiten eurer Favoriten regelmäßig?

Für das Headerbild habe ich unter anderem die Webcomics von Nick Noah – Dramatized Depiction und Leander Aurel Taubner – Leanders feine Linie verwurstet. Auf dem Handy zu sehen ist Erzählmirnix von Nadja Hermann


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