Comiciade Aachen 2014

So schnell kann’s gehen. Gefühlt wurde sie erst vor einer Woche angekündigt und schon ist die Comiciade wieder rum. Hat Aachen damit nun auch ein eigenes Comicfestival dessen Besuch sich lohnt? Oder ist es nur eine Schein-Aktion um auf den Kulturtrend Neunte Kunst aufzuspringen?

Tatsächlich war die Comiciade schon seit einigen Monaten im Gespräch und die Verantwortlichen haben sowohl die sozialen Netzwerke wie auch die örtliche Presse und Webmagazine fleißig genutzt. Das ganze wirkte im ersten Moment dermaßen routiniert und souverän, dass man versucht war zu überlegen, ob man die letzte Comiciade vielleicht nur verdrängt hatte.

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Von Donnerstag-Abend bis Sonntag-Nachmittag fand gab es sowohl im Ludwig-Forum als auch zwei nahegelegenen Ausstellungsorten eine überschaubare aber alles andere als biedere oder unattraktive Comicmesse. Zwar gab es an der unscheinbaren Außenfront des Ludwig-Forums keine Plakate oder Bannerwerbung (bei der Anfahrt gab es erste dunkle Erinnerungen an ein Comicfestival in süddeutschen Landen), doch die Besucher fanden dennoch den Weg. Während Donnerstag-Abend lediglich die Eröffnung stattfand und in dem für Dauerausstellungen geöffneten Ludwig-Forum die Duckworks-Ausstellung zu betrachten war, startete das Hauptprogramm erst Freitag ab 12 Uhr.

Fast 60 Zeichner und Verlage waren vertreten und dennoch konnte man die Zustände nicht als beengt bezeichnen. Hinter den Ausstellern konnte man die Arbeit des gebürtigen Aacheners Ulrich Schröder betrachten, der bei Disney inzwischen einer der renommiertesten Duck-Zeichner geworden ist. In der nur einen Steinwurf entfernten Kirche St. Elisabeth gab es darüber hinaus noch weitere ausgestellte Werke von Aachener Zeichnern, besonderen Gästen und vor allem den Ergebnissen aus diversen Zeichenworkshops, die schon seit Januar im Rahmen der Comiciade stattgefunden hatten. Eher klein und beschaulich gesellt sich, ebenfalls keine fünf Gehminuten entfernt, die Grafitti-Ausstellung im Atelier Lake dazu. Garniert wird das Programm durch die Präsentation mehrerer Kurz- und Animationsfilme.

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Unter den Ausstellern waren wieder viele junge und alte bekannte Gesichter vorhanden. Sowohl David Boller mit seinem inzwischen ziemlich umfangreichen Programm als auch Michael Holtschulte, die Kwimbi-Truppe (also Sarah Burrini, Marvin Clifford, Mario Bühling und dieses Mal auch Schlogger) und Dani Books waren vertreten. An letzterem Stand konnte man sowohl den Italiener Giovanni Rigano (Daffodil, Monster Allergy) und seine Landesgenossin Paolo Antista antreffen, deren fünfbändige Comicreihe Chats im Sommer bei Dani Books erscheint. Panini lockte unter anderem mit Signierstunden von Roger Langrigde (Muppets, Thor) und Sylvian Savoia (Marzi). Dazu kamen noch viele weitere Zeichner aller Stilarten, die für eine bunte Mischung sorgten, unter ihnen auch David Malambré, Stephan Scholz, Sascha Küpper, Pinkmützchen und Kamineo.

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Während der Zulauf am Freitag noch überschaubar aber nicht schwächelnd war, herrschte am Samstag deutlich stärkerer Messebetrieb, wie man ihn auch schon von anderen Comic-Events in kleinerem Maßstab her kannte. Die Comiciade offenbar für viele Zielgruppen ein willkommenes Ausflugsziel: Von jungen Fans über die engagierten Comicleser jeden Alters bis hin zu kompletten Familien reichte das Spektrum der Besucher. Für die Zeichner und Verleger hat sich die Veranstaltung an beiden Tagen gelohnt, auch wenn die Umsätze vereinzelt am gut besuchten Samstag nicht besser als am Freitag waren.
Selbstverständlich gab es auch einen Cosplaywettbewerb und dementsprechend viele kostümierte Figuren aus Comic, Manga, Film und Fernsehen zu betrachten. Die Qualität der Kostüme reichte von naiv engagiert, über schlichte Kaufsets bis hin zu engagierten und erfahrenen Cosplayern, deren Näh- und Make-Up-Künste deutlich herausstachen. Die Zulassung von gekauften Kostümen war dann auch ein Kritikpunkt am Wettbewerb, wurde aber von niemandem als wirkliches Ärgernis empfunden.

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Auch in anderen Bereichen ließ sich noch Potenzial zur Verbesserung erkennen. Scheinbar hatten die Organisatoren mit mehr Ausstellungscharakter gerechnet, weshalb Besucher mit Taschen zuerst gebeten wurden diese abzugeben. Immerhin hingen unweit der Ausstellertische immer noch diverse Werke der Dauerausstellung im Ludwig-Forum. Ob die nächste Comiciade (gerüchteweise ist ein Zwei-Jahres-Rhythmus geplant) daher erneut im Ludwig-Forum stattfindet ist fraglich. Man müsste für mehr Platz Teile der Dauerausstellung entfernen, was sicherlich mehr Nach- als Vorteile mit sich brächte.

Doch dies fällt, ebenso wie die etwas unbedarft wirkende Besetzung der Einlasskontrolle, unter das Prädikat ‚verzeihbare Anfängerfehler‘. Dem stehen immerhin gute bis sehr gute Besuchermengen, mehrere Workshops, ein für die Größe guter Ausstellungsraum und vor allem eine überraschend gute mediale Präsenz gegenüber. Auch der Oberbürgermeister äußert sich im gut gemachten Info-Heft im Vorwort und lässt dabei sichtliche Begeisterung für das Thema erkennen. Im WDR gab es noch am Samstag selbst einen Beitrag zur Comiciade, so geht gutes Marketing!

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Abschließend kann man den Verantwortlichen der Comiciade ein sehr gutes Einstandszeugnis ausstellen. Aus Besuchersicht gab es fast nichts zu meckern und auch die kleineren erwähnten organisatorischen Mängel sind verzeihbar. Die Comicsaison hat damit einen neuen Startpunkt erhalten. Man sollte allerdings darauf achten, dass durch die zeitliche Nähe zur Intercomic und der Role Play Convention nicht zu viele Veranstaltungen um die Gunst der Aussteller und Gäste buhlen.

Für Comicfans in Nordrhein-Westfalen ist die Comiciade auf jeden Fall einen oder sogar zwei Tagesausflüge wert. Die Comiciade kam quasi aus dem Nichts und hat auf ganzer Linie überzeugt.

 


2 Comments

  1. Jano April 8, 2014 2:34 pm  Antworten

    Pst, pst … Paola ist Giovannis Freundin und ebenfalls Italienerin. Nur die Comics stammen aus Frankreich. 8)

    • alex April 9, 2014 12:41 am  Antworten

      Hoppla! Prompt korrigiert. Will hier ja nicht als Gossip-Klatschtante enden, die alles durcheinanderbringt 😉

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