Eriks deae ex machina – Der Plan der Göttinnen

CoverNach knapp einem Jahr hat Erik den zweiten Band seiner Nornen-Reihe ‚eriks deae ex machina‘ herausgebracht. Statt in kühlem Blau kommt der neue Band in warmen Brauntönen daher und hat gleich noch ein gutes Dutzend mehr Seiten spendiert bekommen. Ansonsten wirkt alles erst mal wie ein typischer Erik eben.

Wenn man die Abenteuer der Göttinnen nicht mehr genau in Erinnerung hat, sollte man auf jeden Fall nochmal im ersten Band (hier die dazugehörige Rezension bei CRON), bzw. auf der zugehörigen Webseite, in Ruhe nachlesen worum es ging. Denn eine Einführung oder gar einen Überblick über das bisherige Geschehen gibt es, abseits vom Klappentext, nicht. Und ohne das gröbste Grundwissen um die magischen Module und den Plan, der Europa in den Untergang treiben soll, versteht man schnell nur Bahnhof. Ohne Spoiler sei nur so viel verraten: Nachdem die drei Nornen davon erfuhren, dass ein verrückter Professor eine Art Weltuntergangsgerät baut, gegen das selbst die Schicksalsgöttinnen nichts ausrichten können, haben sie sich entschlossen, den sterblichen Chris als ihr Werkzeug zu rekrutieren. Der junge Pilot ahnt davon natürlich nichts, und weder er noch seine Freundin sind über die Art des Eingreifens der Göttinnen sonderlich begeistert. Und dann wären da noch die drei Module, die für die Maschine zwingend nötig sind.

Jetzt könnte man damit leben auch ohne die Geschichte aus dem ersten Band noch in Erinnerung zu haben, immerhin bietet Erik wie gewohnt viel fürs Auge. Aber es wäre sehr schade drum. Während Band 1 noch einen ruhigen, fast vorsichtigen Einstieg bot, geht es nun zügig zur Sache. Chris muss sich noch an seine neue Rolle und die damit verbundenen Kräfte gewöhnen, während der Widersacher schon kurz vor der Vollendung seines Plans steht. Die Uhr steht also schon eine Minute vor Zwölf und allen genretypischen Gesetzen der Dramaturgie zum Trotz wird klar, dass der Plan der Göttinnen scheitern muss. Also wird flugs Plan B aus dem Hut geholt und auf mehreren Zeitebenen parallel agiert. Wozu sind die drei schließlich die Göttinnen des Gestern, des Heute und des Zukünftigen?

Nur ein Beispiel für Erik's Detailverliebtheit und historische Genauigkeiten.

Nur ein Beispiel für Erik’s Detailverliebtheit und historische Genauigkeiten.

Natürlich verläuft das alles nicht problemlos. Die drei Damen sind ein recht bissiger Haufen und kommen sich gerne auch mal selbst in die Quere. Hier und da spielt Erik äußerst charmant mit den Eigenarten der Figuren und reizt diese bis zum Letzten aus. So dürfen sich die Leser über die Situationen erfreuen, in denen die drei Damen immer wieder schlittern, mal mehr, mal weniger in Verlegenheit gebracht. Natürlich spielt da auch eine Prise Fanservice mit rein, was Erik meistens aber gewitzt mit erzählerischen Details und Anekdoten ausgleicht. Gerade bei den Fußnoten hat sein erzählerischer Stil nochmal eine ganze Schippe zugelegt. Mehr noch als im ersten Band schafft er es, mit wenigen Wörtern eine Lage gekonnt und auf den Punkt genau zu schildern. Altmeister Dieter Hildebrandt mit seinem trocken-entlarvenden Humor lässt hier grüßen.

Eriks Zeichenstil wirkt insgesamt ein wenig verspielter, öfters mehr ins Detail gehender. Das macht jede Seite zu einer Schatztruhe für Entdeckungsfreudige und profitiert auch von seiner sehr beschränkten Farbwahl, die das ganze Werk fast ins Monochrome abgleiten lässt. Zu viel Farbvarianz hätte das Werk wohl für die Augen eindeutig zu anstrengend gemacht. Insgesamt findet hier aber nur eine ganz sanfte Evolution statt, man muss also keinerlei stilistischen Bruch zwischen dem ersten und zweiten Band fürchten. Auch so gilt aber: Wer Eriks Stil noch nicht kennt, sollte definitiv Probe lesen, am Buch selbst, nicht am Bildschirm. Die Zeichnungen gewinnen gedruckt noch immer ihren besten Eindruck, und manchem mag sein Stil schon zu verspielt und verschnörkelt sein, das ist schlichtweg Geschmackssache.

Ein wenig Mühe hat der charmante Saarländer noch bei den dynamischen Ereignissen. Bedingt durch die Handlung kommt öfters wirklich ausnehmend viel Leben in die Panels und manchmal ist nicht auf den ersten Blick klar was denn nun wo hin eilt. Dies relativiert sich, da die Anzahl der Panels dort, wo es wirklich Mühe macht, an nicht mal einer Hand abgezählt werden kann. Der Seitenaufbau selbst bleibt wie schon im Vorgänger konsistent und bedient sich bewährter Kameramanöver, ohne den Bogen zu überspannen.

Technisch und qualitativ fällt das Meckern rein von den Fakten wirklich schwer. Die Ausbaufähigkeit der dynamischeren Panels ist zweifellos Jammern auf hohem Niveau und was die Handlung angeht, so tut der zusätzliche Schub dem Ganzen angenehm gut. Wo beim ersten Band noch vereinzelt Unsicherheit herrschte, was nun überhaupt passiert und passieren wird, stellen sich die Weichen nun langsam ein und die Dramatik gewinnt an Fahrt. Dazu gibt es wieder diverse Zeitebenen, gut recherchierte Hintergründe, wohlformulierten Humor, frechen Esprit… insgesamt eine gute Steigerung im Vergleich zum ersten Band, der schon wenig Anlass zur Kritik bot. Erik etabliert sich damit zweifellos als einer der wenigen Comicschaffenden, der sowohl das Erzählerische als auch das Zeichnerische wunderbar beherrscht und Pointen in beiden Formen meistert.

Im übrigen darf man sich auch schon auf Band 3 freuen. Wie Erik in seinem Blog berichtet, steckt er nach dem Abschluss von Dédé 4 jetzt mitten in der Vorbereitung für den dritten Nornenband. Neben der Suche nach der passenden Farbpalette, steht auch ein Größenwechsel zur Debatte. Interessierte sollten sein Blog auf jeden Fall verfolgen, da Erik sehr interessante Einblicke in die Arbeit an seinen Werken liefert, und man auch sehr viel über die Unterschiede zwischen Deae ex machina  und Dédé.

  • Text Copyright 2013 Alexander Lachwitz
  • Cover, Artwork Copyright Epsilon-Verlag


3 Comments

  1. Erik Februar 5, 2013 12:36 pm  Antworten

    Ist angekommen, vielen Dank. Habs unter rezensionen & berichte verlinkt
    Erik
    PS: Dédé 4 (nicht 3) ist fertig 😉

  2. Lach|witz, der (e) » Eriks deae ex machina – Der Atem der Jormungand März 10, 2015 10:46 pm  Antworten

    […] Es beginnt mit dem Ende selbst! Ragnarök, die Schlacht bei der Asen, Riesen und all die anderen mythischen Wesen der Edda sich gegenseitig töten und am Ende bleiben nur die Menschen denen eine neugestaltete Welt geschenkt wird. Mit diesen Impressionen schlägt der Autor den Bogen zum Prolog des ersten Bandes, in dem noch auf humorvolle Weise erklärt wird, wie der Grundstein für diese unvermeidliche Tragödie der Götter gelegt wurde. Für die die es noch nicht Wissen: Die Handlung dreht sich um einen Wissenschaftler der mithilfe dreier magischer Module eine Weltuntergangsmaschine bauen will. Die Nornen, Schicksalsgöttinnen des Gestern, heute und des kommenden dürfen nicht aktiv in die Welt eingreifen. Also requirieren sie einen sterblichen als ihren Handlanger. Damit sie diesen aber in ihrem Sinne steuern können, muss er zuerst sterben damit sein Geist die Brücke zwischen der Welt der Nornen und der sterblichen bildet. Klingt verwirrend, ist es auch zu Anfang, macht dennoch Spaß. Glaubt mir, oder lest meine Rezensionen zu Band 1 und Band 2. […]

  3. Lach|witz, der (e) » Eriks deae ex machina – Der Atem der Jormungand März 11, 2015 11:38 am  Antworten

    […] Es beginnt mit dem Ende selbst! Ragnarök, die Schlacht bei der Asen, Riesen und all die anderen mythischen Wesen der Edda sich gegenseitig töten und am Ende bleiben nur die Menschen denen eine neugestaltete Welt geschenkt wird. Mit diesen Impressionen schlägt der Autor den Bogen zum Prolog des ersten Bandes, in dem noch auf humorvolle Weise erklärt wird, wie der Grundstein für diese unvermeidliche Tragödie der Götter gelegt wurde. Für die die es noch nicht Wissen: Die Handlung dreht sich um einen Wissenschaftler der mithilfe dreier magischer Module eine Weltuntergangsmaschine bauen will. Die Nornen, Schicksalsgöttinnen des Gestern, heute und des kommenden dürfen nicht aktiv in die Welt eingreifen. Also requirieren sie einen sterblichen als ihren Handlanger. Damit sie diesen aber in ihrem Sinne steuern können, muss er zuerst sterben damit sein Geist die Brücke zwischen der Welt der Nornen und der sterblichen bildet. Während also im Jahr 1928 der Professor das Ende der Welt einläuten will, reisen die Nornen zusammen mit Chris quer durch die Zeitalter um eben dies zu verhindern. Klingt verwirrend, ist es auch zu Anfang, macht dennoch Spaß. Glaubt mir, oder lest meine Rezensionen zu Band 1 und Band 2. […]

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